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Samstag, 14. Mai 2011

Im System

Ich bin in einigen Dingen reaktionär. Definitiv, allein um Leute zu schockieren. Klappt nicht immer, aber wenn es geht, freu ich mich riesig. Nichts ist spaßiger, als Provokation und nicht nur das. Provokation ist wertvoll.
Es ist aber nicht so, dass ich das nur zu Punk-Zwecken äußere. Da könnte ich auch sagen, "nicht alles war schlecht damals". " nicht alles war gut", "Das mit den Autobahnen war echt daneben" - nene, das ist ja auch stupide. Es gibt einleuchtende Argumente für mich, "reaktionär" zu sein
Reaktionär" als solches ist für mich weniger fortschrittsfeindlich, viel mehr fortschrittskritisch. Für mich heißt reaktionär zu sein, jeden Zeitgeist kritisch zu beleuchten und sich gegebenenfalls auch gegen ihn zu stellen. Zeitgeist ist so vieles - Zeitgeist kann alles, darf alles, ist alles - denn Zeitgeist ist selbsterklärend und Eigenlob zugleich. Es ist das zufriedene Kopfnicken der Mitte, der Grünen und der Linken, auf dem richtigen Pfad zu sein. Ich persönlich scheiße auf den Zeitgeist. Für mich hat sich nie die Frage gestellt, etwas nicht zu erklären und es stattdessen mit einem schwammigen Wort zu "deklarieren". Was ein Quatsch - es ist Zeitgeist, es ist okay - deswegen. Zeitgeist ist ein Duft von Joop - das wars dann aber auch.
So gesehen ist das eine recht milde Definition von "reaktionär". Ich bin in keinenfall der Ansicht, dass eine religiöse Weltanschauung irgendwelche Antworten auf relevante Fragen haben - wann denn? Die Bibel hat keine Antworten, der Papst ist an Irrelevanz in seinen Aussagen vielleicht noch vom Zentralrat der Juden zu toppen, ansonsten jedoch nicht, die Kirchen liefern nichts, gar nichts. Noch nicht mal kontroverses.
Vielleicht noch eine Art säkulare konservative Idee? Das klingt so obskur, dass es schon wieder reflexionswürdig ist. Viele wertkonservative Ideen, meinetwegen auch einige Sekundartugenden, halte ich für wichtig und sehr viel mehr "Zeitgeist" als beschissene grüne Reflexe.
Dennoch bin ich kein klassischer Reaktionärer - ich bin kein faschistoider Katholik wie Mosebach, der in seinem wunderbar altbackenen und orginellen Analysen wahnsinnig erhellend ist - ich bin eher noch liberal, ohne mich einer entsprechenden Partei nahe zu fühlen.
Ich bin liberal, weil ich vom Individuum als solches überzeugt bin. Ich bin der festen Meinung, der Staat könne nicht alle Probleme lösen - ich weigere mich sogar, dem Staat mehr Probleme als nötig aufzuhalsen? Es gibt so viele andere, vielfältigere Möglichkeiten, die Ansprüche des 21. Jahrhundert gerecht zu werden, ohne gleich nach Vater Staat zu schreien wie ein Säugling nach Mutters Brust.
Nein, ich glaube, der Staat sollte sich in vielen Dingen zurücknehmen. Ich glaube, wir brauchen einen starken Staat, der klare Regeln und Grenzen vorgibt, ein gewisses soziales System organisiert, der sich aber in die Belange der Menschen sebst nicht einmischt - nur dann, wenn die Menschen als solche versagen. (Marktversagen)
Im Grunde aber sind das nur Schlagworte - Liberal, reaktionär, konservativ. Im Grunde ist das gar nicht so wichtig und ebenso obsolet wie "links" und "rechts" Verweise.
So wie es die Radikale sagt, so setze ich es fort: Entweder für oder gegen das System. Entweder im System oder das System zerstören. Da sage ich doch überzeugend, zufriedend aufatmend, wissend, dass es am Ende des Tages die Antwort der Wahl ist: Im System.

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