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Samstag, 12. Juli 2008

Broder!

Ich muss meine Meinung über Broder ein wenig relativieren. Ich lese gerade "Hurra!Wir kapitulieren" und muss sagen, dass ich ihm in vielen Punkten zustimmen muss. Davon abgesehen ist sein Schreibstil unheimlich unterhaltsam und witzig.
http://www.achgut.com/dadgdx/ gehört neben taz.de und Spiegel.de zu meinen Standard-Seiten, durch die ich mich täglich klicke.
Broder ist so unerlässlich für den deutschen Journalismus. Kaum einer schafft es , so herrlich respektlos-anarchistisch und zielgerichtet, Missstände zu kritisieren. Sicher: Er ist nicht immer im Recht und übertreibt auch, letzteres völlig bewusst. Und trotzdem: Er trifft die Problematik. Er gehört zu den wenigen Journalisten, die dem Gutmenschentum und deren unsägliche Appeasement-Haltung, der sich in der Kritiklosigkeit der Political Correcness wiegt, den Kampf ansagen. Ich empfehle "Hurra, wir kapitulieren. Von der Lust am einknicken

Donnerstag, 10. Juli 2008

Ein neues Ziel

Seit heute werde ich endlich wieder anfangen, an langfristigeren Werken zu schreiben als Gedichte und Kommentare. Ich bin dabei, einige lose Kapitel über Politik, Gesellschaft und den Menschen zu verfassen, ähnlich wie die Texte hier, nur auf einem, wie ich finde, höheren Niveau. Außerdem bemühe ich mich, pointierter zu schreiben. Das Buch handelt um einen alternativen, linken Weg, der fern ab vom realitätsfremden Gutmenschentum ist und sich trotzdem an urlinke Ideale orientiert und stets flexibel genug zu sein versucht, die anspruchsvolle Gegenwart und Zukunft zu meistern. Leseproben gibt es erst, wenn die Bücher zu Ende sind.

Es kann gut sein, dass ich hier etwas weniger posten werde.

Mittwoch, 9. Juli 2008

Als Mensch

Im Schatten der Missgunst.
Im Sumpfe des Neids.
Da steht er, der Mensch.

Im Winde der Sehnsucht.
Im Sieden der Fehler.
Da steht er, der Mensch.

Im Glanze der Schönheit.
Im Dämmern der Vollendung.
Da steht er, der Mensch.

Als liebloser Strolch
und trauriger Knilch.
Da steht er da - als Mensch.

Zufrieden

Wie zufrieden kann man sein
wenn so vieles im Argen liegt.
"Sehr", sagte der Junge.
"Weil doch vieles nich so schlecht ist"
sagte er.
"Weil mir doch vieles Kraft gibt."
"Zwar ist nicht alles golden und einfach,
vieles bleibt schwierig zu erreichen.
Doch ich weiß doch eines, das weiß ich
ganz ganz sicher.
Auf meine Freunde kann ich bauen,
In meine Familie heg' ich vertrauen.
Ohne sie könnte ich das alles niemals
nicht nur so meistern, sondern auch
niemals so lieben."

Pathos

Pathos.
Gern gesehen,
perfekt plaziert.
Pathos.
Aufgesetzt und
flink gesetzt in Szene.
Pathos.
immer wieder benutzt,
zur Selbstdarstellung.
Pathos.
Egozentrismus in Reinform.
Egoismus als Option.
Pathos.
Gern gesehen doch
sozial völlig unangebracht.

Montag, 7. Juli 2008

Schreiben

Ein Wort.
Ein Satz.
Zustimmung.
Eine Strophe.
Erstaunen.
Ein Wort.
Ein Satz.
Streichen.
Neuer Satz.
Aufatmen.
Eine Strophe.
Ein Wort.
Ein Satz.
Eine Strophe.
Eine Träne.

Alles gesagt.

Sonntag, 6. Juli 2008

Tatklosigkeit und Gesellschaft

Manchmal muss ich über Dinge lachen, die eigentlich nicht lustig sind. Ja, sehr oft sogar. Ich erinnere mich an einen niederländischen Moderator, der in seiner Talkshow einen Menschen im Rollstuhl eingeladen hat, der über seine tödliche Erbkrankheit sprach. Unglücklicherweise hatte dieser arme Mensch eine solch unnatürlich hohe Stimme, dass der Moderator in seiner live Sendung anfangen musste zu lachen. Nachdem er mehrere Minuten dagegen ankämpfte, konnte er seinem Lachen nichts mehr entgegen setzen und prustete los. Die Show wurde abgebrochen, der Moderator entlassen. Heute ist er im Radio tätig.
Manchmal bin ich in ähnlichen, natürlich bei Weitem nicht solchen prekären, Situationen. Ich muss in vermeintlich unpassenden Momenten lachen. Sind noch andere Menschen dabei und ich drehe mich zu ihnen, so sehe ich nicht selten ebenfalls lachen-unterdrückende Gesichter. Woran liegt es?
Es geht wieder mal um Zwänge, die uns die Gesellschaft aufdrückt, aufzwängt und sie als allgemeingültig erklärt. In dieser 10 Gebote Manier versucht uns die Gesellschaft, die längst an uns vorbei lebt, zu suggerieren, was wir zu tun und zu lassen haben. Darüber kann ich, natürlich deplazierterweise, nur herzhaft lachen. Ich lasse mir meine Charaktereigenschaften nicht von Dritten vorschreiben. Ich bin kein Unmensch, der widerwärtige Vorstellungen von Moral hat, ich brauche niemanden, der sie für mich vorschreibt. Ich bin ein Souverän, wir alle sind souverän im Geiste. Es ist unsere Entscheidung, wie wir auf die Anforderungen des Lebens reagieren und wie wir weiter agieren. Das Leben ist zu individuell und komplex, als dass allgemeine Vorschriften ohne Einschränkungen für alle gelten könnten. Es ist schlicht nicht möglich, alle Menschen mit ihren Biographien und ihren unterschiedlichen Auffassungen von Leben, in ein Regelwerk zu spannen. Dieses Regelwerk wird nicht selten Gesellschaft genannt. Doch das ist es nicht. Gesellschaft akzeptiert sehr wohl unterschiedliche Auffassungen, ob es um Moral oder Ethik geht. Eine Gesellschaft ist keine Ersatzreligion oder einer Subreligion, unter die man sich zu unterwerfen hat. Gesellschaft heißt Leben lassen, in einem bestimmten Rahmen. Doch das heißt nicht, dass der Rahmen feststeht und nicht zu durchbrechen ist. Gesellschaften emanzipieren sich, "sprengen" gewissermaßen ihre Rahmen, in dem einzelne sie bewusst missachten. Dann gibt es eine Kontroverse und die Gesellschaft diskutiert über die Sinnhaftigkeit der bestehenden Rahmen, oder ob eine Neujustierung von Nöten ist. Keine Gesellschaft kann als ein fixes System bestehen ohne Spielraum und Platz zum Überschreiten der Rahmen.
So kann man auch mal über Dinge lachen, die die Gesellschaft nicht lustig findet. Oder man kann über Dinge sprechen, die als Tabu gelten. Ich finde sogar, jedes mündige Mitglied einer Gesellschaft, der unuzufrieden ist, ist angehalten, das zu tun. Die Kontroverse wagen, taktlos sein und provozieren. Denn Taktlosigkeit ist der Beschluss zu sagen, was alle anderen denken. ( Oscar Wilde)
In diesem Sinne wünsche ich eine schöne neue Woche.